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EASA Opinion 02/2025: Warum jetzt Handlungsbedarf für Flughäfen entsteht

Mit der Veröffentlichung der EASA Opinion No. 02/2025 zur regelmäßigen Aktualisierung der Regeln für Air Traffic Management und Air Navigation Services hat die EASA einen weiteren wesentlichen Impuls für die Fortentwicklung des europäischen ATM/ANS-Regelwerks und somit zum Rechtsrahmen der EU, gesetzt. Auch wenn es sich formell noch nicht um unmittelbar geltendes EU-Recht handelt, ist die praktische Relevanz dieser Opinion für Flughäfen, ATS- und AIS-Provider sowie für Landesluftfahrtbehörden im deutschen und DACH-Raum erheblich. Die Opinion bildet die fachliche Grundlage für kommende Änderungen mehrerer zentraler EU-Verordnungen und beeinflusst damit mittel- bis langfristig operative Abläufe, Prozesse sowie Verantwortlichkeiten und Schnittstellen zwischen den Trägern des Luftverkehrssystems.

Warum diese Opinion mehr ist als ein Routine-Update

Die Auseinandersetzung mit der Opinion 02/2025 erweist sich schnell als anspruchsvoll. Die Inhalte sind technisch, organisatorisch anspruchsvoll, stark vernetzt mit bestehenden Regelwerken, auch mit denen der ICAO, und setzen ein tiefes Verständnis sowohl der regulatorischen Architektur als auch der realen operativen Prozesse am Flugplatz voraus. Gerade diese Komplexität macht jedoch deutlich, dass es sich nicht um eine rein formale Fortschreibung bestehender Regeln handelt. Vielmehr zielt die Opinion auf eine inhaltliche Schärfung und Präzisierung zentraler Anforderungen ab. Organisationen, die sich frühzeitig und vertieft mit den Inhalten befassen, gewinnen die Möglichkeit, Auswirkungen realistisch einzuordnen und notwendige Maßnahmen strukturiert vorzubereiten, anstatt später unter erheblichem Zeit- und Umsetzungsdruck reagieren zu müssen.

Wo die EASA nachschärft und warum das operativ relevant ist Inhaltlich ist die Opinion 02/2025 als Regular Update der ATM/ANS-Regeln angelegt, mit einem klaren Fokus auf Änderungen an der Verordnung (EU) 2017/373. Besonders betroffen sind die Bereiche Air Traffic Services und Aeronautical Information Services, flankiert von Folgeanpassungen an der Aerodrome-Verordnung (EU) 139/2014 sowie an der SERA-Verordnung (EU) 923/2012. Ein zentrales Augenmerk liegt auf der weiteren Präzisierung des Umgangs mit aeronautischen Daten und Informationen. Anforderungen an den Aeronautical Data Catalogue und an aeronautische Karten werden konkretisiert, während Verantwortlichkeiten für Erhebung, Verarbeitung und Austausch aeronautischer Daten  Daten z.B. für den ADV-ADQ-Prozess zur Erstellung der AIP oder zum Hindernismanagement bzw. zu Anwendung von Referenzsystemen  z.T. neu zugeordnet werden. Parallel dazu adressiert die Opinion operative Aspekte des Flugplatzbetriebs, insbesondere Intersection Take-offs und Multiple Line-ups auf derselben Piste, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf einer abgestimmten und nachvollziehbar dokumentierten Koordination zwischen Flugplatzbetreiber und ATS-Provider liegt.

Schnittstellen als Risikozone: Wer jetzt genauer hinschauen sollte

Die Auswirkungen der Opinion betreffen unmittelbar ATS- und AIS-Provider sowie Aerodrome Operator, entfalten ihre Wirkung jedoch ebenso auf Seiten der nationalen und regionalen Luftfahrtbehörden. Für viele Organisationen bedeutet dies eine kritische Neubewertung bestehender Verfahren, Zuständigkeitsregelungen und formaler Vereinbarungen. Gerade an den Schnittstellen zwischen Aerodrome, AIS und ATS zeigt sich in der Praxis häufig, dass Prozesse zwar etabliert, aber nicht immer eindeutig dokumentiert oder konsistent gelebt sind. Mit der Opinion rücken qualitätsgesicherte Datenlieferungen, klar definierte Verantwortlichkeiten und belastbare Nachweise noch stärker in den Fokus der Aufsicht und gewinnen damit zusätzliche regulatorische Bedeutung.

Zeit ist der entscheidende Faktor, nicht erst das Anwendungsdatum

Auch wenn die Opinion selbst noch keinen unmittelbaren Rechtscharakter hat und die geänderten EU-Verordnungen derzeit für Ende 2026 erwartet werden, besteht bereits heute relevanter Handlungsbedarf. Die Erfahrung aus früheren regulatorischen Anpassungen zeigt, dass der größte Druck nicht mit dem formalen Inkrafttreten entsteht, sondern in der Übergangsphase, wenn laufender Betrieb, Projektumsetzung und behördliche Nachweise parallel bewältigt werden müssen. Aus Sicht des Projektmanagements in der Luftfahrt ist die Opinion daher als klarer Auslöser für komplexe Umsetzungsprojekte zu verstehen. Organisationen, die sich frühzeitig vorbereiten, sichern sich Planungssicherheit, reduzieren operative Risiken und positionieren sich deutlich souveräner gegenüber Aufsichtsbehörden. AviaCert unterstützt seine Kunden dabei, diese Entwicklungen strukturiert zu analysieren und in kundenspezifische, auditfeste Lösungen zu überführen. Durch kontinuierliches Monitoring fundierten Compliance- und Gap-Analysen sowie die Begleitung bei der Anpassung von Verfahren und Dokumentationen wird sichergestellt, dass regulatorische Anforderungen nicht nur formal erfüllt, sondern sinnvoll in den operativen Alltag integriert werden.

EASA Opinion 02/2025

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